Hochstaplersyndrom bedeutet, Menschen trauen sich eine Tätigkeit (oder eine Position etc.) nicht zu und fühlen sich als Hochstapler:innen, wenn sie es trotzdem tun. Viele haben sich sehr viel Wissen angeeignet, trauen sich aber sehr wenig zu. Auch wenn der Leistungsausweis schwarz auf weiss ist, sind die Zweifel nicht beseitigt. Sie fürchten sich davor aufzufliegen, obwohl eindeutig kein Betrug vorliegt.
Diese Angst kennen insbesondere Frauen, die beruflich aufgestiegen sind. Verstärkend wirken ein Migrationshintergrund oder ein sozialer Aufstieg gegenüber der Ursprungsfamilie. Oder eben ADHS.
Bei ADHS könne sehr unterschiedliche Gründe dazu führen, z.B. sich wenig zuzutrauen aufgrund von vielen Misserfolgen. Das können Erfahrung als schlechte Schüler:in (z.B. wegen Unaufmerksamkeit) oder ein sehr breites Interesse aber wenig Tiefe in einem beruflich verwendbaren Fachgebiet sein.
Diese Kombination aus schlechtem Gedächtnis, vergangenen Misserfolgen und der Empfindlich-
keit gegenüber negativem Feedback (RSD) vergrössern die Selbstzweifel und führen dazu sich wenig zuzutrauen.
Und schliesslich das Vergessen von früheren Erfolgen (Success amnesie), da es aufgrund ihrer Zeitblindheit nur jetzt oder nicht jetzt (im Sinne von später) gibt. Was früher positiv war, kommt einem weniger in den Sinn. Dies kann verhängnisvoll sein in einem Vorstellungsgespräch, bei welchen nach früheren Erfahrungen und Erfolgen gefragt wird.
Literaturempfehlungen:
Heiner Lachenmeier. Mit ADHS erfolgreich im Beruf. So wandeln Sie vermeintliche Schwächen in Stärken um. 2. Auflage.
Anderson, Jesse J. Extra Focus.
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