Manche Medikamente nehmen wir sehr leichtfertig, anderen misstrauen wir aufgrund von Vorurteilen. Da es bei ADHS viele innere Kämpfe gibt, die niemand sieht, sollte niemand beschämt werden, der sich medikamentös behandeln lässt.
Es bricht einem das Herz, noch und noch Geschichten zu lesen, wie jemand den Unterschied mit und ohne Medikamente beschreibt. Für die einen ist es eher proasaisch: Sie vergleichen es mit einer Brille, die hilft, klarer zu sehen. Aber wer ein Leben lang mit den Symptomen gekämpft hat und dann merkt, dass es nie die eigene Schwäche war, die fehlende Willlensstärke, dass es weder Faulheit noch Dummheit war, sondern ein biochemisches Ungleichgewicht, ist vermutlich etwas durcheinander. Diese Menschen erfahren gleichzeitig Erleichterung und Dankbarkeit, aber oft auch Trauer und Wut, was hätte sein können, hätte man früher Zugang zu Medikamenten (oder zumindest die richtige Diagnose) erhalten.
Zu den einzelnen Medikamenten befindet sich eine gute Zusammenstellung unter adhspedia.
Mir ist es aber wichtig zu betonen, dass auch wer Medis nimmt, nicht darum herum kommt, sich Strategien anzueignen, wie am besten mit dem ADHS-Hirn umgegangen werden soll. Denn mit ADHS ist es schwierig, den Fokus zu lenken (s. Hyperfokus). Wenn wir uns also dank Medikamenten besser konzentrieren können, aber (weiterhin) gamen, verbessert sich evtl. zwar unsere Punktezahl, aber die Arbeit erledigt sich nicht. Wie diese angegangen werden, braucht Bewältigungs-Strategien.
Es gibt (und braucht teilweise) auch andere Behandlungsmethoden.
Zum Bild (Videostill aus howtoadhd): Der renommierte ADHS-Forscher Dr. Russel Barkley bezeichnet ADHS oft als eine Motivations-Defizit-Störung. D.h. durch das mangelnde Dopamin fällt es schwer, sich z.B. für langweilige Aufgaben zu motivieren. Dagegen helfen Medikamente, Bewegung und andere Bewältigungs-Strategien.